Sequence
BLOON

Bochums Innenstadt. Es dämmert schon. Wir laufen durch eine der kleineren Straßen. Etwas ist heute anders als sonst. Aus einer schmalen Lücke zwischen zwei Häusern leuchtet es geheimnisvoll heraus. Beim Näherkommen sehen wir ein strahlendes Objekt, das über dem Boden schwebt. Leute schauen hinauf. Was könnte das sein? Neugierig nähern wir uns weiter. Eine hell erleuchtete, transparente Blase hat sich zwischen zwei Häuser gequetscht. Leise Musik dringt aus dem Inneren. Man sieht junge Leute seltsam federnd auf und ab gehen.

Ein Studentenwohnraum in Form einer Blase ploppt auf, bleibt drei Wochen an einem Ort und gibt Studenten die Möglichkeit sich für ein oder zwei Tage einzumieten, um das Wohnen in BLOON auszuprobieren. Dann verschwindet es wieder. Vielleicht in eine andere Stadt. Oder in ein anderes Land. Wir wissen es nicht. Es taucht unvorbereitet auf. Kleine, seltsame, kugelförmige Objekte, verteilt in der Stadt, in Supermarktregalen, in der Kneipe nebenan oder beim Bäcker, kündigen drei Tage vorher das Erscheinen an. Der Rest - Mund zu Mund Propaganda.

Die Studenten hatten die Aufgabe eine neue „Stadt“ innerhalb der bereits existierenden urbanen Strukturen zu schaffen. Es ging um die Beschäftigung mit Bochums ungenutzten Räumen. Grundstücke, die für den „normalen“ Immobilienmarkt unbrauchbar erscheinen, sollten durch Umdeutung in ein neues Licht gerückt werden. Zunächst hatten sie sich mit den Dachlandschaften Bochums auseinander zu setzen und der Frage nachzugehen, wie man studentisches Wohnen auf den Dächern der Stadt mit den vielen Leerständen im Erdgeschoss verbinden könnte.

Im Wesentlichen sollte studentisches Leben in die Innenstadt gebracht werden. Von den vielen Studentenwohnheimen des Studentenwerkes liegt keines in der Stadt, die Wohnheime sind dem Campus angegliedert und liegen weit vor den Toren der Bochumer Innenstadt.

Dass von 360 000 Einwohnern etwa 40 000 Studenten sind, also jeder neunte Einwohner Student ist, stellt ein großes, lebendiges Potential für eine Stadt dar, die gerade dabei ist, sich neu zu erfinden.

Eine Befragung von Studenten der Ruhruniversität ergab, dass für viele das Bett als Schlafplatz, Arbeitsplatz und Aufenthaltsort eine zentrale Bedeutung hat, während für die meisten der Schreibtisch eher als untergeordnet bewertet wurde.

Aus all diesen Untersuchungen und Betrachtungen entstand im letzten Semester das Projekt BLOON, welches im Sommer 2016 in Bochum als Prototyp realisiert wird.