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manifest

Der Ort
Die Blase ist für den urbanen Raum konzipiert. Sie soll das Wohnen der Studenten direkt in die Stadt bringen, das Leben der Stadt mit dem des Bewohners verschmelzen. Hierzu sollen vor allem ungenutzte Stadträume aufgewertet werden. Dies kann, wie im Fall Bochum, eine Baulücke, kann aber auch ein anderer urbaner Raum mit entsprechenden Eigenschaften sein. Hier wollen wir uns nicht spezifisch auf Baulücken beschränken, auch wenn diese die besten Voraussetzungen bieten. Unserer Wunschvorstellung nach, soll sich der Bewohner selbst auf die Suche nach diesem Ort begeben und die Blase ähnlich wie ein urbanes Zelt hier oder dort aufschlagen können. Die Blase sollte immer im Kontext mit Gebäuden stehen und sich vom Straßenniveau abheben. Das poetische Bild der Blase, welche nur durch Druck in die Baulücke geklemmt wird, soll gewahrt bleiben.

Der Raum
Die Blase bietet Geborgenheit, durch eine Haut, die einen Raum über und um seinen Bewohner spannt. Der daraus entstehende Raum ist einfach. Reduziert. Ursprünglich. Ähnlich wie in einer Höhle, jedoch weich, ein Kokon, nur offener, weiter, großzügiger. Jeder von uns kennt das Bild der Sofa-Decken-Höhle aufgespannt zwischen Stuhl, Esstisch und Sessel. Uns ist wichtig, dass sich der Raum von den herkömmlichen, konventionellen Vorstellungen des Wohnens löst. Daher haben fiel die Entscheidung der Gestaltung des Innenraumes auf einfache, abstrakte und diffuse Formen. Was ist ein Bett? Was ein Tisch? Was ein Stuhl? Was ist der Boden, was kann der Boden sein? All dies sind Fragen, auf die wir mit BLOON in Form von Erfahrungen und Experimenten neue Antworten geben wollen. Diese Form der Reduktion des Wohnens entspricht dabei unserer eigenen Vorstellung des studentischen Lebens (der Zukunft). Der Student braucht schon heute nicht vielmehr als ein Schlafplatz, einen Ort des Rückzugs und Geborgenheit und seinen Laptop. Er soll sich hierbei möglichst frei entfalten und den Raum und Ort seinen persönlichen Anforderungen anpassen können. Die Grenzen der Entfaltungsmöglichkeiten sind nicht durch die Blase begrenzt. Warum soll durch die Blase nicht ein ganzer Block oder ein ganzes Viertel angeregt werden und zu pulsieren beginnen?

Die Hülle
Nicht mehr als eine zweite Haut trennt den Bewohner von seiner Umwelt, schirmt ihn von äußeren Einflüssen ab und bietet ihm so ein Gefühl des Schutzes. Die Hülle ist allerdings mehr als nur eine Haut. Sie ist Wand, Fenster, Dach - ist ebenso Boden, wie Tragwerk. Vielleicht kann die Hülle noch mehr sein. Sie ist die Kommunikationsebene. Eine Membran, welche Außen und Innen ebenso trennt, wie sich verschmelzen lässt. Sie öffnet sich zum Teil stark, gewährt ein Blick ins Innere, wenn gleich sie sich an anderer Stelle wieder stark verschließt um Privatsphäre zu schaffen. In Form von diffusen Formen und Bewegungen bleibt die Blase so ein pulsierender, sich stetig wandelnder Organismus, der dies auch jederzeit nach außen zeigt. Sie passt sich perfekt an den Ort an – ohne diesen dauerhaft zu verändern. Oder doch?

Die Telefonzelle
Die Telefonzelle ist das Bindeglied zwischen Innen und Außen, Unten und Oben. Sie steht für die Bodenhaftung der Blase, ist Schleuse und Zugang. Konzept A – Do It Yourself Die Telefonzelle ist ein urbaner Mikrokosmos, der längst seinen ursprünglichen Nutzen verloren hat. Genau wie im größeren Maßstab in Form der Baulücke wollen wir auch diesen kleinmaßstäblichen Raum aufwerten und einer neuen sinnvollen Nutzung zuführen. Die Telefonzelle wird hierbei ähnlich guerillaartig eingenommen, wie die Baulücke. Im „Peter-Lustig-Wohnwagen-Charakter“ wird sie mit einfachsten Mitteln vom Studenten selbst für seine Zwecke und Bedürfnisse umgebaut. Nicht perfekt und unvollendet bietet sie Platz zur Selbstverwirklichung und Individualisierung durch den Bewohner. Die Telefonzelle ist Teil des urbanen Raumes, jedoch nicht Teil von BLOON. Mit dem Umzug von BLOON in eine andere Stadt müsste man sich Gedanken um einen neuen, urbanen Mikrokosmos mit ähnlichen Eigenschaften machen. Vielleicht ist BLOON auch irgendwann nicht mehr auf eine Schleuse angewiesen und die Telefonzelle als Bauteil entfällt komplett? Konzept B – Clean It Up Die Telefonzelle ist ein Gegenstand mit optimalen Eigenschaften für die von uns vorgesehene Umnutzung. Dabei spielt auch die eigentliche Nutzlosigkeit der Telefonzelle aus heutiger Sicht eine starke Rolle. Weniger jedoch aus urbanen Gründen. Vielmehr ist es der fast grenzenlose Vorrat an Telefonzellen, der gerade bei dem Gedanken einer industriellen Vervielfältigung von BLOON eine großartige (günstige) Grundlage für unsere Zwecke bieten würde. Die Telefonzelle ist Teil von BLOON. Daher müssen auch hier die gleichen gestalterischen Ansprüche gelten. Hierzu wäre eine starke Verfremdung der Telefonzelle, bspw. durch Lackieren vorstellbar. Übrig bliebe nur noch die Kubatur der Telefonzelle, welche zwar bei dem Betrachter gewisse Assoziationen hervorrufen dürfte, spätesten jedoch bei Betreten des Innenraumes erleuchten würde: Ich bin keine Telefonzelle mehr, ich bin etwas ganz neues – eigenes - das Tor zu einer Traumwelt. Die Telefonzelle kann alles sein und nichts. Hierdurch wird die Telefonzelle zwar Teil von BLOON, muss aber nicht zwingend mehr Gewicht in der Wahrnehmung bekommen als in Variante A. Vielleicht sogar weniger, da sich durch die Abstraktion die Nutzungsänderung klar ablesen lässt. Die Schleuse wird fester Bestandteil von BLOON und somit an jedem Ort der Welt mit BLOON gekoppelt.